Kulturschock Australien
Ein wahnsinnig großer Kulturschock erwartet Euch zunächst nicht wirklich wenn Ihr in Australien ankommt. Die Menschen sehen nicht sonderlich anders aus und haben ähnliche ethische Grundwerte und so kann man einige Tage/Wochen in Australien leben, bevor man einige gravierende Unterschiede feststellen wird. Australier sind im weitesten Sinne auch Europäer mag so mancher meinen und sich damit gehörig täuschen. Zwar stimmt es, dass einen nicht der totale Schock treffen wird, sobald man diesen sonnigen Kontinent betritt. Oft ist sogar das genaue Gegenteil der Fall denn die meisten Ankömmlinge fühlen sich sehr willkommen und schon am Flughafen wird man oft mit einem herzlichen „G´day mate“ in Australien willkommen geheißen. Gerade bei Ankömmlingen aus dem deutsch sprachigen Raum kommt die Ernüchterung meist erst später wenn der Alltag mit all seinen kleinen Tücken in Australien beginnt.
Als Tourist bekommst Du davon natürlich nicht soviel mit und so sind die Reiseberichte von Australienreisenden immer gefärbt von überschäumender Begeisterung für Land und Leute. Natürlich ist Australien ein wunderschönes Land mit sehr netten Menschen, versteht mich an dieser Stelle bitte nicht falsch. Dennoch gibt es einige Punkte die sich sehr vom eigenen Heimatland unterscheiden und Dir erstmal befremdlich sein könnten. Daher ist hier eine kleine Liste von Dingen auf die anders sind und wenn Ihr darüber Bescheid wisst ist es vielleicht leichter die ersten kleinen Fehler zu vermeiden. Es sind viele kleine Dinge die aber einen großen Unterschied machen können.
Politik
Australier lieben den gepflegten Small Talk. Lasst euch aber im Kreise von Menschen die Ihr nicht wirklich gut kennt nicht dazu verleiten Themen wie Politik, die australische Geschichte im Hinblick auf ihren Gefangenenhintergrund oder die Behandlung der Ureinwohner anzuschneiden. Diese Themen kann man wenn überhaupt mit guten Freunden oder anderen Europäern besprechen, sie eigenen sich aber keinesfalls als erstes Gesprächsthema mit der neuen Gastfamilie. Australier lieben unverfängliche Themen wie Wetter, Port und Reisen, bei denen man sich nicht so schnell um Kopf und Kragen reden kann.
Vergleichen
Gerade wenn Ihr länger in Australien lebt, werdet Ihr natürlich die Schweiz vermissen und eventuell auch mit jemandem darüber reden wollen. Das könnt Ihr mit Euren Freunden auch jederzeit tun, solltet aber etwas aufpassen nicht in ein ständiges Vergleichen zu verfallen. Es gibt sehr viele Menschen die hier leben und diesen Fehler begehen, was bei Australiern gar nicht gut ankommt. Keiner hier möchte hören was in der Schweiz alles besser und schöner ist und wenn Ihr ständig darüber redet fragen sich Australier nach einer Weile warum Ihr dann überhaupt hier lebt. Fragt jemand nach, so könnt Ihr natürlich immer von Eurem Heimatland erzählen, Ihr solltet eben nur nicht unaufgefordert ständig alles mit Australien vergleichen und Australier daran teilhaben lassen. Auf längere Sicht macht Ihr Euch damit nur unbeliebt und es kommt für Australier so rüber als wenn Ihr es nicht zu schätzen wisst hier zu leben, was natürlich nicht stimmt aber es kommt eben so an. Daher manchmal lieber den Kommentar für sich behalten und sich mit anderen Einwanderern über diese Problem unterhalten.
Klassenunterschiede
Die australischen Sozialschichten sind im Allgemeinen sehr flach und man pflegt den lockeren Umgang auf einer Ebene. Ob jemand ein Doktor ist oder ein Straßenarbeiter spielt im gemeinsamen Miteinander meist keine Rolle und soziale Hierarchien sind kaum vorhanden. Ihr solltet das respektieren und Euch unbedingt danach verhalten denn nichts mögen Australier weniger als Menschen die denken etwas Besseres zu sein.
Mate, love and darling
Wie bereits erwähnt wir man am Flughafen schon als „mate“ angesprochen, was den einen oder anderen vielleicht wundern wird. Hi mate how are you? Ist allerdings eine Floskel die jeder ständig benutzt und die keinerlei Bedeutung hat außer der eine freundliche Geste zu sein. Australier erwarten auf diese Frage entweder keine Antwort, ein wechselseitiges „how are you?“ als Antwort oder ein „fine“. Eine andere Antwort gibt es auf diese Frage nicht, wenn es Dir also nicht gut geht, dann solltest Du dies nur Freunden, nicht aber Jedem erzählen der sich vermeintlich nach Deinem Befinden erkundigt. Dies würde nur große Verwirrung bei Deinem Gegenüber verursachen. Einige Auswanderer finden dies extrem oberflächlich aber es ist einfach nur eine freundliche Begrüßung und sollte als solche betrachtet werden.
Gerade in Geschäften werden Euch Verkäufer oft mit love oder darling ansprechen. Darüber solltet Ihr Euch ebenfalls keine Gedanken machen. Es ist freundlich gemeint und hat darüber hinaus keine weitere Bedeutung.
Rechnungen werden geteilt
Es gilt als normal eine Rechnung mit Freunden beim Essen oder bei einem Kaffee zu teilen. Das bedeutet allerdings nicht, dass jeder haarklein ausrechnet was wessen Anteil nun gekostet hat. Man teilt einfach die Rechnung durch die anwesenden Personen. Pech für die, die das billigste Gericht hatten, aber Ihr solltet es dabei belassen und nicht anfangen zu diskutieren wenn Ihr Euch nicht extrem unbeliebt machen wollt.
Pünktlichkeit und Verabredungen
Australier schätzen, auch wie wir Pünktlichkeit bei einer Verabredung. Dennoch solltet Ihr immer mit einrechnen, dass 10 - 15 Minuten später durchaus noch als pünktlich durchgeht. Man sollte sich zunächst aber an folgende Regel halten: Kommt selber immer pünktlich, beschwert Euch aber nicht wenn ein Australier 15 Minuten zu spät erscheint. Wenn man die Person gut kennt ist ein Spaß darüber natürlich erlaubt aber bei offiziellen Treffen solltet Ihr Euch an diese Regel halten.
Verabredungen unter Freunden werden auch ab und zu sehr kurzfristig abgesagt. Dies solltet Ihr nicht persönlich nehmen und Euch darauf einstellen, dass auch gute Freunde Euch ab und zu versetzen werden. Die meisten Australier planen nicht gerne und wenn etwas anderes zu tun ist, sagen die meisten kurzerhand ab. Auf der anderen Seite könnt Ihr das auch machen, ohne dass es Euch gleich jemand übel nimmt.
Essen und Trinken mitbringen
Es ist durchaus üblich und erwünscht zu einer Einladung Getränke und Essen mitzubringen. Bevor Ihr also zum Beispiel zu einem australischen Barbecue geht, fragt am besten vorher nach ob Ihr etwas mitbringen sollt. „bring a plate“ ist dabei die übliche Formulierung was aber nicht als Aufforderung zum mitbringen des eigenen Geschirrs gemeint ist. Gemeint ist eigenes Essen und oft auch Getränke, die natürlich mit Freunden geteilt werden. Normalerweise sind das Salate, Fleisch und Getränke. Das mitbringen von Geschenken wie Blumen oder Pralinen ist hingegen unüblich und Ihr solltet anstelle dessen lieber etwas mehr zu Essen mitbringen. In der Regel wird fast alles mit den anderen geteilt und man sollte sich in dieser Hinsicht spendabel geben.
Helmpflicht
Darüber gibt es im australischen Gesetz absolut keine Diskussion, es herrscht Helmpflicht für Radfahrer. Immer und überall und auch wenn Ihr „nur mal eben schnell“ irgendwohin müsst. Ohne Helm werdet Ihr schnell von der Polizei angehalten die in diesem Punkt auch keine Gnade kennt und euch eine Geldstrafe aufbrummen wird. Wenn Ihr als ein Rad in Australien benutzen möchtet, dann fragt eure Gasteltern oder investiert in einen guten Helm, dass ist das Geld wert. Berücksichtigt auch, dass Ihr den Linksverkehr zunächst nicht wirklich verinnerlicht habt und seit besonders in den ersten Tagen sehr vorsichtig beim Rad fahren.
Taxi fahren
In Australien sitzt man im Taxi generell vorne und es gilt als extrem arrogant wenn man sich alleine nach hinten setzt, da dies aussieht als würdet Ihr euch chauffieren lassen und nicht mit dem Fahrer reden wollen. Ein freundliches Gespräch mit eben diesem ist eine angenehme Pflicht und kann durchaus sehr informativ sein wenn Ihr zum Beispiel Insidertipps über die Region erfahren wollt.
Brot
Um es vorweg zu sagen: Ihr werdet „richtiges“ Brot vermissen. Wie auch in England gibt es in Australien hauptsächlich Weißmehlbrot mit viel Luft drin und Ihr könnt es zusammen drücken wie einen Schwamm. Dunkles Brot ist selten zu finden und wenn dann meist sehr teuer. Einzige Ausnahme ist Pumpernickel, welches meist importiert ist und das es bei ALDI einfach und günstig zu kaufen gibt.
Tempo
Australien hat Speed Limits was heißt, dass Ihr nirgendwo wirklich schnell fahren dürft. Speeding, also die Überschreitung dieser Limits wird mit hohen Geldstrafen geahndet und dies kann sehr teuer werden.
Sonnenbrand und Hut
Australier lieben Witze über rot verbrannte Touristen und das nicht ganz ohne Grund. Trotz aller Warnungen unterschätzen gerade Neuankömmlinge die australische Sonne sehr und schützen sich nicht ausreichend. Sonnenschutzfaktor 30+ ist ein Muss und sollte schon morgens als normale Creme verwendet werden. Habt am besten immer eine kleine Tube Sonnencreme dabei wenn Ihr unterwegs seid. Für Menschen mit sehr heller Haut ist Zinkcreme zusätzlich sehr gut, da diese fast vollständigen Schutz bietet. Ebenfalls solltet Ihr euch eine gute Sonnenbrille am besten mit einem Aufkleber von der Australian Cancer Foundation besorgen. Diese sind relativ teuer, bieten aber im Gegensatz zu billigen Brillen richtigen Schutz. Und Ihr solltet im Sommer immer einen Hut tragen, da man gerade am Anfang die Kraft und Intensität der Sonne unterschätzt und sehr schnell einen Sonnenstich bekommen kann. Wenn Ihr dies berücksichtigt und ebenfalls darauf achtet genug zu trinken, dann sollte einem schönen australischen Sommer nichts mehr im Wege stehen.

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